• RZ Bad Neuenahr-Ahrw. vom Samstag, 3. September 2011, Seite 18

    Aktive Grafschafter stoßen mit ihren Sorgen auf offene Ohren – Juchem stellt Hilfe für juristische Schritte in Aussicht

    Von unserem Redakteur Frieder Bluhm

    M Grafschaft. Die Aktiven Grafschafter bekommen in ihrem Ringen um eine akzeptable Zukunft der Tongrube Leimersdorf Rückendeckung aus der Politik. In der mit rund 50 Zuhörern gut besuchten Sitzung des Gemeinderats am Donnerstagabend erhielten sie Gelegenheit, ihre Bedenken vorzutragen. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass auch bei Ratsmitgliedern und Bürgermeister die Geduld mit dem Tongrubenbetreiber schwindet. Zentrale Forderung ist die Abdichtung und Rekultivierung des Südfelds gemäß den Vorgaben des Teilabschlussbetriebsplans von 1993 binnen der nächsten zwei Jahre.

    Der als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) organisierten Bürgerinitiative gehören mittlerweile 40 Einzelpersonen, Gewerbebetriebe und Institutionen aus der Region an, die gemeinsam Grundstücke rund um die Tongrube erworben haben, um eine Ausweitung des Tonabbaus zu verhindern. Die GbR verdächtigt den Betreiber, die C.C. Umwelt AG aus Krefeld, in der Grube belastete Industrieabfälle entsorgen zu wollen. Das Unternehmen bestreitet das. Doch ein Betriebsplan sei kein „unumstößliches Evangelium“, warnte GbR-Sprecher Konrad Hochhausen. Als „Blaupause“ hierfür könne das Beispiel der Tongrube Lonnig (die RZ berichtete) dienen. Nur sei das Risiko in Leimersdorf größer. Hochhausen: „Wir wollen nicht als der Entsorgungsstandort in den Fachpublikationen des Recyclingindustrie beworben werden.“
    Mehr als 300 Bürgern aus Leimersdorf, Oeverich und Niederich hatten eine Petition an den Rat unterzeichnet. Doch betroffen sei die Gemeinde als Ganzes, sagte Hochhausen. An die Ratsmitglieder appellierte er: „Wir brauchen die Unterstützung aus der Politik.“

    Insgesamt sei das Verhalten der Tongrubenbetreiber in den letzten Jahren nicht geeignet, Vertrauen bei Bürgern und Gemeinde zu schaffen, sagte Günther Armbruster (CDU). So teile man auch die Sorgen der Bürger hinsichtlich der Verfüllung mit belasteten Stoffen. Allein: Zuständig sei nicht die Gemeinde, sondern das Bergamt in Mainz. Dennoch versicherte er: „Wir sind auf Ihrer Seite.“ Der Rat solle sich zum „Sprachrohr der Bürger“ machen, forderte Lothar Barth (FWG). Das sei eine „super Sache, dass sich Leute so engagieren“, zollte Christina Steinheuer (FDP) der Bürgerinitiative Anerkennung. Sie werde diese „liebend gern unterstützen“.

    Auf keinen Fall, so fordern die Aktiven Grafschafter, dürfe der Heckweg herausgegeben werden. Bislang verläuft dieser öffentliche Weg am südlichen Grubenrand – und ist bereits zum Teil weggebaggert worden, wie eine Vermessung durch die Gemeinde bestätigte. Eine Tatsache, die auch Achim Juchem empört: „Das ist unser Weg – und unser Ton“, betont der Bürgermeister, der den Vorfall juristisch prüfen lässt. Für Privatleute, die juristische Schritte erwägen, stellte Juchem finanzielle Hilfe in Aussicht: „Man kann keinen mit dem finanziellen Risiko allein stehen lassen.“

    Die im Vorfeld der Ratssitzung gelaufenen Gespräche, an denen Bergamt, Betreiber, GbR und Gemeinde an einem Tisch saßen, haben bei den beiden Letztgenannten einen schalen Beigeschmack hinterlassen. Bislang sei nie eingehalten worden, was mit dem Betreiber vereinbart worden sei. Man fühle sich nicht ernst genommen.

    Jüngstes Beispiel: der geplante Radweg entlang der L 79, der nun auf einmal zwei Meter über Straßenniveau verlaufen soll. Juchem: „Das ungute Gefühl bestätigt sich wieder mal.“ Nagelprobe soll jetzt die Informationsveranstaltung am 26. September in Leimersdorf sein. Ob der Betreiber vertreten sein wird, hat dieser bislang offen gelassen.

    Dieser Artikel wurde am 06. September 2011 um 14:03 Uhr verfasst und gelistet unter Allgemeines, Ortsverbände. Sie können alle Kommentare über den RSS Feed verfolgen. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Website setzen.
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